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Ein Hauch von Retro macht vieles Neu

Nostalgie macht sich bezahlt. Was jahrzehntelang als altmodisch und überholt galt und oft nur eingefleischten Fans in liebevoller Erinnerung geblieben war, liegt heute wieder voll im Trend.

Das fängt schon in der Auto-Industrie an. Ein überholter Klassiker nach dem anderen ist auf den Straßen zu sehen. VW Beetle, Fiat 500, sogar Muscle Cars wie Dodge Challenger und Ford GT machen mit ihrem unverwechselbaren Retrolook den „echt“ modernen Autos mächtig Konkurrenz.

Auch Plattenspieler sind längst wieder im Kommen, und mit ihnen Schallplattenläden und Gebrauchtbörsen. Das Gefühl von Vinyl erobert vor allem die Herzen der jüngeren Generation, die nicht schon mit der kratzigen Nadel am Tonarm aufgewachsen ist. Analog liegt im Trend. Bei den zwischendurch totgeglaubten Schallplatten wurde 2015 gar ein 25-Jahres-Hoch erreicht.

Auch im Bereich Technologie ist die Vergangenheit heute wieder voll angesagt. Das gilt vor allem für die Gaming-Branche. Fast drei Jahrzehnte nach seiner Markteinführung ist eine Neuauflage des einst bahnbrechenden Videospiels „Prince of Persia“ von 1989 geplant. Seit seinen Anfangstagen hat das animierte Kampfspiel, das als erstes relativ überzeugende menschliche Bewegungen imitieren konnte, zu diversen Ablegern und sogar einer Spielfilmreihe geführt. Welche Neuerungen das einst für Apple II entwickelte Spiel erfahren wird, steht allerdings noch nicht fest.

Auch Entwickler setzen auf den Hang zur Nostalgie. Das Geld für den Start kommt für so manches Projekt von den künftigen Nutzern, etwa über Kickstarter-Kampagnen. Zum Beispiel für eine Kreuzung aus Computertastatur und Schreibmaschine. Die Mischung aus neuester Technologie und dem Klang und Gefühl der alten Maschinen ist eines der Retro-Produkte, die die US-Firma Lofree auf diese Weise finanziert hat.

Hinter dem Wieder- oder Neuentdecken des Alten steckt auch ein bisschen Lebensgefühl. Nichts sagt mehr über unsere Identität aus als die Dinge, mit denen wir uns umgeben. Aus der Masse herausragen statt in ihr untergehen ist gerade für viele Jugendliche und junge Leute seit jeher ein erstrebenswertes Ziel. Und Altes oder Retrosachen sind nicht nur optische Hingucker, mit ihnen sind auch bestimmte Werte und Erinnerungen an längst vergangene Zeiten verbunden. Sie heben sich ab. Zudem haben Dinge wie Schreibmaschinen oder die Objekte im Platten- oder Bücherladen noch einen weiteren Reiz: Sie lassen sich anfassen, fühlen, riechen, und Interaktionen in der echten statt der virtuellen Welt beinhalten auch Kontakte mit anderen Menschen statt Avataren oder Sprachassistenten.

Vieles macht auch einfach nur Spaß. Was sonst erklärt die Beliebheit von Tamagotchi in einer Welt von Tausenden Apps und kostenlosen Spielen? Das kleine japanische Plastik-Ei mit dem Pixelwesen, das wie ein echtes Haustier gepflegt und gefüttert werden musste, hatte seinen Siegeszug in Deutschland Ende der 90er Jahre angetreten und war dann für einige Zeit fast in der Versenkung verschwunden. Jetzt ist es zurück, und eine neue Kindergeneration hütet die Pixeltiere und bangt um ihr Wohlergehen. In den alten Schätzen steckt also noch viel Leben.

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Über Alexander Schönegg (144 Artikel)
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